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neubrandenburg nazifrei!!

Am 1. Mai 2012 will die NPD mit 300 Nazis aus ganz Mecklenburg Vorpommern in der Neubrandenburger Oststadt aufmarschieren. Nachdem breite Bündnisse 2010 den Naziaufmarsch in Rostock verkürzten und 2011 in Greifswald stark einschränkten, werden du, er, sie, es – WIR uns diesem Beispiel in Neubrandenburg anschließen und die NPD-Demonstration auch hier blockieren. Trotz der Versuche mittels verschiedener, angemeldeter Veranstaltungen in der ganzen Stadt das mögliche Aufmarschgebiet der Nazis zu belegen und eigene Akzente zu setzen, ist zu erwarten, dass die NPD alle Möglichkeiten für ihre Demonstration ausspielen wird.

Der Naziszene in Neubrandenburg wurde lange wenig Aufmerksamkeit gewidmet, so dass deren Entwicklung in der Stadt im Vergleich zu anderen Orten in Mecklenburg-Vorpommern kaum auffiel. Dass nach der Landtags- und Kreistagswahl 2011 Neonazis nicht mehr “nur” im Landtag sitzen, sondern auch mit 6,3 Prozent der Neubrandenburger Wähler_innenstimmen in dem Kreistag der Mecklenburgischen Seenplatte, ist ein Beleg für das weitere Erstarken der Nazipartei. Mit den kontinuierlichen Wahlerfolgen und der weiter steigenden Akzeptanz bis in “die Mitte der Gesellschaft” hinein, zeigt die bis vor wenigen Jahren noch unorganisierte Naziszene vermehrt ein selbstbewusstes Auftreten. Diese Tendenz werden wir nicht hinnehmen!…

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Wir sind schon da! Wir bleiben hier! Wir blockieren!

Drei Jahre nach Erscheinen: “Feine Sahne Fischfilet”-Album soll indiziert werden!

Zwei Alben, Osteuropatouren und unzählige Konzerte im Bundesland und darüber hinaus – das ist die Bilanz, die “Feine Sahne Fischfilet” bisher vorweisen können. So ziemlich alle, die sich in MV als antifaschistisch verstehen dürften sie mal live gesehen haben. Ihre Konzerte sind für ausgelassene Stimmung, wütende Zwischenansagen und nicht minder wütende Texte bekannt. Neonazis, aber auch die Behörden, haben besonders im Nordosten immer wieder versucht, Konzerte mit Drohungen und Angriffen zu verhindern. Nun prüft die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien in Bonn die Indizierung des ersten Albums der Band.

Das dass Engagement der Bandmitglieder nicht unbeobachtet bleibt und schon gar nicht auf reine Gegenliebe stößt, liegt auf der Hand. Polizei, Staatschutz und Neonazis versuchten in der Vergangenheit schon oft, Bandmitglieder und Veranstalter einzuschüchtern und Konzerte zu verhindern. Einige Beispiele:

Im Januar 2009 wollte die Band das Release ihres ersten Albums “Backstage mit Freunden” in Loitz, einer Kleinstadt im ehemaligen Landkreis Demmin, feiern. In den Jahren zuvor hatten dort schon mehrere Benfizkonzerte mit “FSF” stattgefunden. Wenige Tage vor dem Aktionstag, an dessen Ende das Konzert stehen sollte, klebten Nazis unter dem Label “KS Loitz” Plakate und Aufkleber, auf denen vor einem “linken Haßkonzert” gewarnt und “Loitz bleibt deutsch” proklamiert wurde. Die “Mobile Aufklärungseinheit Extremismus” (MAEX) des Staatsschutzes wirkte auf den damaligen Bürgermeister Johannes Winter ein, stellte eine negative Gefahrenprognose auf und dieser knickte ein. Das Konzert in Loitz wurde abgesagt und fand stattdessen mit 400 Menschen in der Hansestadt Greifswald statt.

In Stralsund, wo alternative und antifaschistische Jugendliche mit einem massiven Naziproblem zu kämpfen haben, zündeten Neonazis nicht nur den Treffpunkt der alternativen Jugendlichen an, sondern versuchten auch vor einem Feine Sahne-Konzert anreisende Besucher und Bandmitglieder anzugreifen. Dirk Arendt, NPD-Vertreter im Stralsunder Stadtparlament, soll damals vorne mit dabei gewesen sein.

In Tessin bei Rostock schmissen Ende 2010 Neonazis am Vorabend eines kleinen Festivals, bei dem auch Feine Sahne Fischfilet spielen sollten, die Fensterscheiben des örtlichen Veranstaltungshauses ein und verschütteten Buttersäure. Das Festival fand danach trotzdem statt, Besucher sahen sich jedoch vor dem Gebäude mit Neonazis konfrontiert die sich mit der eingesetzten Sicherheitsfirma munter abgrüßten.

Neonazis ließen mehrere Tausend Aufkleber drucken, die den Sänger mit gespaltenem Kopf zeigten. Auch Einschüchterungsversuche gegenüber Bandmitgliedern durch Polizei und Staatsschutz waren in der Vergangenheit nicht selten. Zum Teil wurde auch versucht, die Betreiber der Konzertorte im Vorfeld davon zu überzeugen die Band nicht spielen zu lassen.

Die aufgeführten Beispiele zeigen, dass Feine Sahne Fischfilet nicht nur den Neonazis, sondern auch den Ermittlungsbehörden ein Dorn im Auge sind. Die Band spielt auch an Orten in MV, in denen das Auftauchen von Neonazis hervorsehbar ist. Während der Skandal im selbstbewussten Auftreten der Neonazis und ihren Versuchen Besucher und Band anzugreifen, Konzerte zu verhindern und Veranstaltungsorte zu demolieren, besteht, sehen die Behörden das Problem wohl bei Band und Publikum: Als Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Diese Deutung übernehmen Lokalpolitiker oftmals gern, wie das Beispiel von Johannes Winter in Loitz zeigt. Auch das die Band einen Identifikationspunkt für die Szene, insbesondere für jüngere linke und alternative Jugendliche, bietet, dürfte eine Rolle spielen. In einem dünn besiedelten Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern sind Konzerte gerade außerhalb der großen Städte wichtige Orte der Identifikation für junge Menschen. Konzerte mit mehreren hundert Besuchern in Ostvorpommern geben nicht nur der Band, sondern auch den Besuchern Kraft, um im täglichen Kampf gegen Neonazis auch auf dem platten Land zu bestehen.

Nun soll das erste Album “Backstage mit Freunden” mehr als drei Jahre nach seinem Erscheinen indiziert werden. Die Anregung dazu kommt vom Landeskriminalamt. Dabei war das LKA nicht mal in der Lage den Titel des Songs korrekt wiederzugeben, so bilden zwei Strophen des Liedes “Staatsgewalt” das corpus delicti, als Songtitel wird jedoch “Meine Cora” angegeben.

Es kann dem LKA nicht darum gehen die Verbreitung des Albums zu verhindern. Das Album ist längst ausverkauft und auf Konzerten wird “Staatsgewalt” schon seit 1,5 Jahren nicht mehr gespielt. Würde das Lied heute geschrieben, Zeilen wie “und danach schicken wir euch [die Polizei] dann nach Bayern, denn die Ostsee soll frei von Bullen sein” würden darin nicht mehr vorkommen. Sie ist einer der Gründe, warum FSF den Song nicht mehr auf Konzerten spielen.

Man kann davon ausgehen, dass diese Umstände dem LKA nicht unbekannt sind, dennoch wünscht es sich die Indizierung. Es liegt der Verdacht nahe, dass sich die Behörden lediglich selbst mit einem neuen Argument ausstatten möchten, mit dem in Zukunft Veranstaltern und Veranstaltungsorten gegenübergetreten werden kann. Mit einer Indizierung in der Hinterhand, fiele es der MAEX zukünftig sicher leichter Kommunalpolitiker und Veranstaltungsorte davon zu überzeugen, den “Linksextremisten” mit dem indizierten Album keine Bühne zu bieten.

Feine Sahne möchten sich die Verhandlung vor Kunsthistorikern, Lehrern und Religionsvertretern am 3. Mai in Bonn nicht entgehen lassen. Und weil sie schon mal dort sind, geben sie am Abend im nahegelegenen Köln noch ein Konzert. Sie lassen sich nicht einschüchtern, sie wollen weitermachen: Dieses Jahr soll das dritte Album der Band veröffentlicht werden – wieder auf einer Releaseparty irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern.

vom kombinat fortschritt

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